
Autor
Christian Koch
Aktualisiert am
23. Juli 2026
Photovoltaik, Service
Strompreiszusammensetzung in Deutschland
Viele Stromkund:innen sehen auf ihrer Rechnung einen Wirrwarr an verschiedenen Angaben und Kennzahlen. Aber wie viel kostet die Kilowattstunde an Strom? Tatsächlich setzt sich der Strompreis in Deutschland aus einer Vielzahl von Bestandteilen zusammen. Wer diese Zusammensetzung versteht, erkennt schnell, warum Strom in den letzten Jahren teurer geworden ist – und weshalb eine eigene Photovoltaikanlage eine besonders wirksame Möglichkeit darstellt, die laufenden Stromkosten nachhaltig zu senken. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie sich der Strompreis zusammensetzt, welche Rolle Netzentgelte und Umlagen spielen und welche konkreten Einsparungen durch Eigenverbrauch aus einer PV‑Anlage möglich sind.
Wie teuer ist Strom aktuell?
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) veröffentlicht regelmäßig Übersichten zur Strompreisentwicklung für Haushalte und Industrie. Aktuell liegt der durchschnittliche Strompreis für private Haushalte bei 37 ct/kWh. 2025 lag der durchschnittliche Haushalts-Strompreis sogar bei über 39 ct/kWh. Seit der Energiekrise ist er zwar wieder etwas gefallen, liegt jedoch immer noch auf höherem Niveau als vor der Krise.
Als Faustregel gilt:
Ein großer Teil des Strompreises besteht aus Kosten, die Sie nicht beeinflussen können – außer, Sie erzeugen Ihren Strom selbst.
Strompreisverlauf
Innerhalb der letzten 26 Jahre ist der durchschnittliche Haushaltsstrompreis pro Jahr um 3,8% gestiegen. Somit ist der heutige Strompreis mehr als 23ct/kWh teurer als im Jahr 2000. 2022 gab es einen extremen Anstieg ausgelöst durch den Beginn des Ukraine-Kriegs. Auch wenn der Preis mittlerweile wieder gesunken ist, bleibt der generelle Preistrend steigend.

Die drei Hauptbestandteile des Strompreises
Der Strompreis, den Sie auf Ihrer Rechnung sehen, ist kein einzelner Preis, sondern setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen. Vereinfacht gesagt zahlen Sie für:
- den Strom selbst
- sowie staatlich festgelegte Steuern und Abgaben
- den Transport des Stroms zu Ihnen nach Hause

1. Beschaffung & Vertrieb
Dieser Teil beschreibt den eigentlichen Strom als Produkt. Stromlieferanten kaufen Strom an der Strombörse (z. B. EPEX Spot) oder direkt von Kraftwerksbetreibern (Over the Counter) ein. In diesem Preis enthalten sind:
- Handelskosten
- Kosten für die Stromerzeugung
- Marge für Vertrieb, Kundenservice und Risikoabsicherung.
Dieser Anteil schwankt stark, da er von Börsenpreisen, Brennstoffkosten, Wetter (Wind & Sonne) und politischen Rahmenbedingungen beeinflusst wird.
2. Netzentgelte
Netzentgelte fallen dafür an, dass der Strom zuverlässig vom Kraftwerk bis zu Ihrer Steckdose transportiert wird. Das Stromnetz besteht aus einem komplexen System von Hoch‑, Mittel‑ und Niederspannungsleitungen, Umspannwerken und technischen Anlagen. Diese Infrastruktur muss gebaut, betrieben, gewartet und kontinuierlich ausgebaut werden.
Die dafür anfallenden Kosten werden über die Netzentgelte auf alle Stromkund:innen umgelegt. Sie gehen an Verteilnetzbetreiber (z. B. Westnetz) und Übertragungsnetzbetreiber (z. B. Amprion, TenneT).
Wichtig zu wissen:
- Die Höhe der Netzentgelte ist staatlich reguliert.
- Netzbetreiber dürfen nur anerkannte Kosten plus eine behördlich festgelegte Rendite ansetzen.
- Preisblätter werden jährlich veröffentlicht und von der Bundesnetzagentur bzw. Landesregulierungsbehörden genehmigt.
Je nach Region können sich Netzentgelte deutlich unterscheiden und machen einen relevanten Teil des Strompreises aus.
3. Steuern, Abgaben und Umlagen
Der dritte große Block des Strompreises besteht aus Kosten, die nicht vom Stromanbieter beeinflusst werden, sondern gesetzlich festgelegt sind. Dazu gehören verschiedene Umlagen zur Finanzierung des Stromsystems sowie klassische Steuern, die sogar doppelt anfallen, da die Umsatzsteuer auf den Gesamtbetrag inkl. Stromsteuer anfällt.
Diese Abgaben dienen unter anderem dazu, bestimmte Energieformen zu fördern, das Netz stabil zu halten oder Kommunen für die Nutzung öffentlicher Wege durch Stromleitungen zu entschädigen. Zusätzlich wird auf den gesamten Strompreis – also inklusive Netzentgelten und Umlagen – die Mehrwertsteuer erhoben.
Die Abgaben bestehen aus:
- KWKG‑Umlage
Finanzierung der Förderung von Kraft‑Wärme‑Kopplungsanlagen. - Offshore‑Netzumlage
Entschädigungen für Offshore‑Windparks, wenn Netzanschlüsse verspätet bereitgestellt werden. - Aufschlag für besondere Nutzung
Dient zur Entlastung für energieintensive Industriebetriebe (ehem. §19 StromNEV-Umlage). - Konzessionsabgabe
Zahlung an Kommunen für die Nutzung öffentlicher Wege durch Stromleitungen. - Umlage für abschaltbare Lasten
Entschädigung für Industriebetriebe, die bei Netzengpässen kurzfristig ihren Verbrauch reduzieren. - Stromsteuer
Aktuell liegt die bundesweite Verbrauchersteuer auf elektrische Energie bei 2,05 ct/kWh. - Mehrwertsteuer
19 % auf alle vorgenannten Preisbestandteile.
Anteile der Steuern & Abgaben am Strompreis (in ct/kWh)
Die Steuern und Abgaben machen grob ein Drittel des Strompreises aus. Durch den Wegfall der EEG-Umlage sind sie seit 2023 gesunken und stagnieren seitdem.

Beispiel-Stromrechnung
Auf Ihrer Stromrechnung sehen Sie nicht nur den eigentlichen Arbeitspreis, also den Preis, den Sie für Ihren verbrauchten Strom pro kWh bezahlen, sondern auch noch den Grundpreis. Dieser wird pro Jahr oder Monat bezahlt und bezieht sich auf zusätzliche Verwaltungs- und Vertragskosten sowie die Bereitstellung des Stromanschlusses.
So könnte Ihre Stromrechnung zum Beispiel aussehen:
| Verbrauchspreis (ct/kWh) | |
| Konzessionsabgabe | 1,320 |
| KWKG-Umlage | 0,446 |
| §19 StromNEV-Umlage | 1,559 |
| Offshore-Netzumlage | 0,941 |
| Netzentgelte-Arbeitspreis | 7,610 |
| Stromsteuer | 2,050 |
| Versorgeranteil inkl. Beschaffungs- & Vertriebskosten | 13,721 |
| Summe (netto) | 27,65 |
| Umsatzsteuer 19% | 5,253 |
| Summe (brutto) | 32,90 |
| Grundpreis (€/Monat) | |
| Messtellenbetrieb | 2,101 |
| Netzentgelte-Grundpreis | 8,623 |
| Versorgeranteil | 0,957 |
| Umsatzsteuer | 2,219 |
| Summe (brutto) | 13,90 |
Ersparnis durch eine eigene Photovoltaikanlage
Jede Kilowattstunde, die Sie selbst erzeugen und direkt verbrauchen, spart Ihnen den vollen Strompreis aus dem Netz, also:
- Beschaffungs- und Vertriebskosten
- Netzentgelte
- Steuern, Abgaben und Umlagen
Kurz gesagt: Eigenverbrauch ersetzt teuren Netzstrom.
Beispielrechnung
Angenommen:
- Strompreis aus dem Netz: 37 ct/kWh
- Entstehungskosten PV‑Strom (über 20 Jahre): ca 10 ct/kWh
Ersparnis pro selbst verbrauchter kWh:
≈ 27 ct/kWh
Bei einem Eigenverbrauch von 3.000 kWh pro Jahr ergibt das:
ca. 810 € jährliche Einsparung
Rolle von Speicher und intelligentem Verbrauch
Ohne Speicher liegt der Eigenverbrauch meist bei 25 – 40 %.
Mit Batteriespeicher, Wärmepumpe und/oder E‑Auto sind 60 – 80 % Eigenverbrauch realistisch.
Je höher der Eigenverbrauch:
- desto stabiler Ihre langfristigen Stromkosten.
- desto geringer Ihre Abhängigkeit von steigenden Netzentgelten und Umlagen
Außerdem lassen sich mit Speicher oder anderen großen Verbraucher wie Wärmepumpe und Wallboxen die Verbräuche intelligent steuern. So kann mit einem HEMS (Home Energy Management System) und dynamischen Stromtarifen zusätzlich gespart werden, da der Rest-Strom der aus dem Netz bezogen werden muss in möglichst günstige Zeiten verschoben werden kann.
Fazit
Der Strompreis in Deutschland besteht zu großen Teilen aus Netzentgelten, Steuern und Umlagen – also Kosten, auf die Sie als Verbraucher:in kaum Einfluss haben. Eine eigene Photovoltaik‑Anlage setzt genau hier an: Sie umgehen einen Großteil dieser Preisbestandteile, indem Sie Strom selbst erzeugen und nutzen. Besonders in Kombination mit Speicher, Wärmepumpe oder E‑Mobilität wird die PV‑Anlage zu einem zentralen Baustein für stabile, planbare und langfristig niedrige Energiekosten.
Wer die Strompreiszusammensetzung versteht, erkennt schnell: Die größte Ersparnis liegt nicht im Stromanbieterwechsel, sondern im Eigenverbrauch.
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